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Das da Vinci 5 System

Autonomie und Ergonomie aus Anwendersicht

Innovation ist mehr als nur ein Schlagwort. Sie verbindet klinische Evidenz mit Ingenieurskunst, lässt aus Daten fundierte Entscheidungen entstehen und formt aus Visionen konkrete Produkte. Als jüngstes Mitglied der da Vinci Produktfamilie führt das da Vinci 5 Operationssystem Intuitives Innovationsgeschichte fort. Nachdem es im Juli 2025 die CE-Kennzeichnung für die Anwendung in Europa erhalten hat, ist es nun für eine breite Palette minimalinvasiver endoskopischer Eingriffe im Bauch-Beckenbereich zugelassen, darunter urologische, gynäkologische und viszeralchirurgische laparoskopisch-chirurgische Eingriffe sowie thoraxchirurgische Eingriffe bei Erwachsenen und Kindern.

 

Dass die roboter-assistierte Chirurgie kein Geheimtipp mehr ist, zeigen Daten: Allein innerhalb der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) sind, Stand Ende 2025, über 500 da Vinci Operationssysteme installiert. Auch im Universitätsklinikum Ulm ist die roboter-assistierte Chirurgie längst etabliert – doch trotz aller Routine blieb ein zentrales Problem bestehen: Operative Prozesse sind bei komplexen Eingriffen nach wie vor stark manuell geprägt und verlangen über lange Zeiträume höchste Konzentration sowie eine hohe körperliche Belastbarkeit von Operateurinnen und Operateuren sowie deren Teams. Mit der herkömmlichen Arbeitsweise an der Konsole waren häufig wiederholte manuelle Anpassungen und aufwendige Interaktionen im OP-Team notwendig. Prof Dr. Nuh Rahbari, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, sagt dazu: „Viele Arbeitsschritte sind funktional sinnvoll, aber über den Eingriff verteilt. Das führt dazu, dass operative Abläufe immer wieder unterbrochen werden und der Fokus neu aufgebaut werden muss.“

 

Ende 2025 implementierte die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Rahmen des interdisziplinären Robotikzentrums am Universitätsklinikum Ulm als eines der ersten Zentren in Europa gleich zwei da Vinci 5 Systeme. Das Ziel war es, operative Abläufe bei komplexen Eingriffen gezielt weiterzuentwickeln und bestehende Herausforderungen im OP‑Alltag zu adressieren. In Ulm zeigte sich, dass das da Vinci 5 System insbesondere dort ansetzt, wo operative Prozesse bislang stark manuell geprägt waren. Durch integrierte Steuerfunktionen lassen sich zahlreiche Arbeitsschritte direkt an der Konsole ausführen, wodurch zusätzliche manuelle Eingriffe reduziert werden. Automatisierbare Teilprozesse und ein intuitiver, konsistenter Workflow tragen dazu bei, Unterbrechungen zu minimieren, insbesondere in kritischen Phasen langer und hochpräziser Eingriffe. Zugleich wurde in Ulm der ergonomische Aspekt als zentrales Thema betrachtet. Die weiterentwickelte Konsolenergonomie des da Vinci 5 Systems unterstützt eine entlastende Arbeitsweise und kann dazu beitragen, physische Belastungen über lange Operationszeiten hinweg zu reduzieren. Insgesamt entsteht so ein stabilerer und effizienterer OP‑Ablauf, der sowohl die Konzentration der Operierenden als auch die operative Qualität langfristig unterstützt.

 

Roboter-assistierte Verfahren sind in Ulm ein etablierter Bestandteil der chirurgischen Routine verschiedener Fachdisziplinen. Aus strategischer Sicht erlaubt der Einsatz komplementärer robotischer Technologien an einem Zentrum, das jeweils optimale System für den spezifischen Eingriff und den individuellen Patienten zu wählen – das ist kein technologischer Selbstzweck, sondern ein direkter Qualitätsgewinn für unsere Patientinnen und Patienten.

 

Mit der Implementierung der beiden da Vinci 5 Systeme schafft Ulm nicht nur zusätzliche Kapazitäten für komplexe Eingriffe und eine moderne Patientenversorgung, sondern auch optimale Voraussetzung für Forschung und Ausbildung. Die integrierte Effizienz, die gesteigerte Autonomie für Operierende1 und die umfassende Datensammlung des da Vinci 5 Systems tragen dabei maßgeblich zur Optimierung der OP-Abläufe bei. „Der Simulator im da Vinci 5 System ist ein enormer Fortschritt. Wir können Teammitglieder auf derselben Plattform schulen, auf der später operiert wird – realistisch, sicher und ohne zusätzlichen logistischen Aufwand. So entsteht eine Ausbildung in der Chirurgie, die direkt in die klinische Versorgung hineinwirkt“, erläutert Prof. Rahbari.

 

Präzision, Effizienz und Autonomie: Die Vorteile des da Vinci 5 Systems

Das da Vinci 5 System ist das fortschrittlichste und am stärksten integrierte System von Intuitive für die roboter-assistierte Multiport-Chirurgie. Es baut auf dem hochgradig funktionellen Design des da Vinci Xi Operationssystems auf und erweitert es um über 150 Verbesserungen, die sowohl Patientinnen und Patienten als auch Operateurinnen und Operateuren konkrete Vorteile bieten und es deutlich von früheren Generationen abheben können. Bei der Entwicklung des da Vinci 5 Systems stand der Patient bzw. die Patientin im Mittelpunkt, mit dem Ziel, eine rasche Rückkehr in den Alltag mit gleichzeitig überzeugenden funktionellen Ergebnissen zu ermöglichen.

 

Operierende können von einer Reihe von Innovationen profitieren, die die Präzision erhöhen, die Effizienz steigern und die Ergonomie verbessern können. Dazu gehören ergonomisch optimierte Konsolen, die entwickelt wurden, um die körperliche Belastung chirurgischer Fachkräfte bei langen Eingriffen zu vermindern. Das da Vinci 5 System bietet zudem eine höhere Autonomie für Operateurinnen und Operateure durch die Integration von Schlüsselkomponenten, die sie per Tastendruck steuern können. Dies kann den Arbeitsablauf mit einem einfach zu erlernenden System, einer universellen Benutzeroberfläche für Pflegeteams und der in das System integrierten dynamischen Unterstützung zum Automatisieren ausgewählter Aufgaben optimieren. Der entscheidende Vorteil dieser erhöhten Autonomie liegt in der Effizienzsteigerung chirurgischer Eingriffe, der Vereinfachung komplexer Abläufe, potenziell kürzeren OP‑Zeiten und einer möglichen Verbesserung der

Patientensicherheit. Die Möglichkeit, bestimmte Arbeitsschritte zu automatisieren oder direkt über die Konsole zu steuern, kann manuelle Schritte erleichtern und den Operierenden ermöglichen, sich noch stärker auf potenziell kritische Teile des Eingriffs zu konzentrieren.

Im da Vinci 5 Operationssystem ist eine Plattform mit 10.000-mal mehr Rechenleistung1 und neuen Sensoren, Software sowie modernen Prozessoren integriert, die Operateurinnen und Operateuren mehr nutzbare Daten liefern. Diese detaillierten Leistungsdaten ermöglichen es, die chirurgische Performance kontinuierlich zu quantifizieren, zu verstehen und zu verbessern. Dies kann zu einer verkürzten Lernkurve und einer höheren Qualität der Patientenversorgung beitragen.

 

Wie Hightech-Zentren die Behandlungsqualität steigern können

Der Einsatz moderner Medizintechnik, wie das da Vinci 5 System in spezialisierten Zentren, ist längst mehr als ein technologischer Fortschritt – er kann ein zentraler Pfeiler für eine hohe Behandlungsqualität sein. So zeigen etwa die Auswertungen einer Studie der AOK, dass Kliniken mit hoher Fallzahl, ausgewiesener Expertise und modernster Ausstattung im Vergleich zur Versorgung in weniger spezialisierten oder weniger erfahrenen Einrichtungen signifikant bessere Patientenergebnisse erzielen und Komplikationen reduzieren können. Die roboter-assistierte Chirurgie kann, wie die AOK-Studie zeigt, Vorteile gegenüber offenen oder laparoskopischen Eingriffen bieten. Diese können, wie z. B. in der Urologie, geringerer Blutverlust, weniger Transfusionen und kürzere Krankenhausaufenthalte sein. Die technologische Weiterentwicklung des da Vinci 5 Operationssystems kann diese positiven Effekte weiter optimieren.1

 

Das Ergebnis ist eine potenzielle Win‑win‑Situation: Patientinnen und Patienten können von niedrigeren Komplikationsraten und verbesserten perioperativen Ergebnissen profitieren, insbesondere in spezialisierten Zentren. Gleichzeitig kann das Gesundheitssystem von einer effizienteren Versorgung und einer Reduktion komplikationsbedingter Folgebehandlungen profitieren.2

 

Fazit

Das da Vinci 5 System markiert eine Weiterentwicklung in der roboter-assistierten Chirurgie. Mit seiner europäischen CE-Kennzeichnung und seinen Vorteilen – darunter Funktionen wie eine realistische 3D-Bildgebung, erweiterte Autonomie für Operierende und verbesserte Datenanalysefunktionen – bietet es neue Möglichkeiten in der minimalinvasiven Chirurgie bei einer breiten Palette von Indikationen.

 

Die Integration dieser technologischen Neuerungen kann zu einer Verbesserung der Behandlungsqualität auf mehreren Ebenen beitragen:  Für Patientinnen und Patienten kann dies den Zugang zu minimalinvasiven Eingriffen erleichtern sowie potenziell bessere Ergebnisse und die Möglichkeit einer schnelleren Genesung im Vergleich zu traditionellen

Methoden bieten. Gleichzeitig kann das System Operateurinnen und Operateure dabei unterstützen, ihre Präzision und Effizienz zu steigern, ergänzt durch verbesserte Ergonomie und datengestützte Lernmöglichkeiten. Auch für das Gesundheitssystem kann dies zu einer effizienteren Versorgung und einer Entlastung durch reduzierte Folgekosten führen.

 

Das Universitätsklinikum Ulm dient hierbei als Beispiel dafür, wie Hightech-Zentren durch die Implementierung moderner Technologien die Behandlungsqualität fördern und Rahmenbedingungen für Patientenversorgung, Forschung sowie Ausbildung schaffen können. Das da Vinci 5 System kann somit ein relevanter Bestandteil für eine moderne und effiziente medizinische Versorgung sein.

  1. Im Vergleich zu da Vinci Xi. Daten liegen Intuitive vor.
  2. PRO DIALOG. INFOS FÜR DIE PRAXIS. Eine Serie in Kooperation von Ärzte Zeitung und AOK-Bundesverband. Klinikqualität: Prostatakrebs-OP unter der Lupe. Ärzte Zeitung Nr. 44-45. https://www.aok.de/gp/fileadmin/user_upload/Arzt_Praxis/Publikationen/ProDialog/2025/prodialog_2025_11_06.pdf (Zugriff 21.01.2026)