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Umgang mit dem Fachkräftemangel: Wie das da Vinci 5 Operationssystem die Effizienz im OP steigert

In ganz Europa stehen Krankenhäuser vor einem akuten Fachkräftemangel. Die Weltgesundheitsorganisation warnt, dass der Mangel an medizinischen Fachkräften nicht länger eine drohende Gefahr ist, sondern bereits Realität – während die Nachfrage nach chirurgischer Versorgung weiter steigt. Geschäftsführer sehen sich mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert: Sie müssen mehr Eingriffe mit weniger Ressourcen durchführen und gleichzeitig die Ausbildungsmöglichkeiten für die nächste Generation von Operateur:innen aufrechterhalten.

Prof. Jim Khan, Kolorektalchirurg am Queen Alexandra Hospital in Portsmouth, fördert Initiativen zur Neugestaltung der Personalmodelle im OP. Seine Arbeit zeigt, wie roboter-assistierte Eingriffe dazu beitragen können, den Personaldruck zu verringern, ohne die Versorgungsqualität zu beeinträchtigen. Mit dem da Vinci System hat Prof. Khan gemeinsam mit seinem Team Modelle erprobt, die Arbeitsabläufe optimieren, Personalressourcen für andere Aufgaben freisetzen und zusätzliche Möglichkeiten für chirurgisches Training schaffen.


Der Personalmangel


Eine konventionell laparoskopische Operation erfordert in der Regel mindestens fünf weitere OP-Team Mitglieder - zusätzlich zur Operateurin oder zum Operateur. Die starke Abhängigkeit von operationstechnischer Assistenz und unsteriler OP-Pflege sowie Assistenzärzt:innen ist angesichts des Fachkräftemangels langfristig kaum tragfähig. Variabilität in der Verfügbarkeit und der Erfahrung des Personals können den OP-Ablauf beeinträchtigen, Eingriffe verzögern, die Anzahl der Eingriffe reduzieren und in manchen Fällen sogar zu Absagen führen.

Wie Prof. Khan betont, führt dieses Umfeld dazu, dass hochqualifizierte Fachkräfte repetitive oder unterstützende Aufgaben übernehmen – etwa das Führen der Kamera –, anstatt sich auf Tätigkeiten mit einem höheren Mehrwert zu konzentrieren. Für Krankenhäuser bedeutet dies sowohl eine Produktivitätslücke als auch eine verpasste Chance, die nächste Generation von Operateur:innen gezielt auszubilden.


Bereits realisierte Effizienzgewinne durch roboter-assistierte Eingriffe


Die roboter-assistierten Eingriffe bieten ein anderes Versorgungsmodell. Am Portsmouth Hospitals University NHS Trust stellte das Team von Prof. Khan fest, dass Eingriffe mit da Vinci im Vergleich zu konventionell laparoskopischen Eingriffen pro Schicht bis zu zwei Mitarbeitende weniger erforderten – bei unverändert hoher operativer Qualität und Patientensicherheit.

Die Analyse zeigte, dass diese Personaleffizienz monatlich zur Umwidmung von 24 Personalschichten führte – konkret 12 Schichten Assistenzärzt:innen und 12 Schichten unsteriler OP-Pflege. Diese Kapazitäten konnten anderen Operationssälen oder Versorgungsbereichen mit hohem Patientenaufkommen zugewiesen werden. Für Krankenhäuser mit hoher Auslastung bedeutet dies spürbare Verbesserungen im Patientenfluss und eine erhöhte operative Kapazität.

Ebenso bedeutend sind die Vorteile für Aus- und Weiterbildung. Anstatt unterstützende Aufgaben zu übernehmen, können Assistenzärzt:innen an einer zweiten Konsole aktiv am Eingriff teilnehmen und gezielt ihre operativen Kompetenzen ausbauen. So wird die Effizienz der OP-Abläufe mit einer nachhaltigen Investition in die Fachkräfte von morgen verbunden.

Wie Prof. Khan erläutert: „Das da Vinci Operationssystem optimiert die Arbeitsabläufe und stärkt die Autonomie der Operateur:innen. Die Zeit des Teams kann während des Eingriffs flexibel zur Unterstützung anderer OP-Teams genutzt werden. Das verbessert die Abläufe in unseren Krankenhäusern insgesamt und ermöglicht es uns letztlich, mehr Patient:innen zu behandeln.“


Der Blick nach vorne mit da Vinci 5


Aufbauend auf diesen Effizienzgewinnen bietet das da Vinci 5 System Funktionalitäten, die darauf ausgelegt sind, Variabilität weiter zu reduzieren und die Abhängigkeit von Personalverfügbarkeit zu verringern. Die Head-in Benutzeroberfläche ermöglicht Operateur:innen die direkte Steuerung von Insufflation und Energie, direkt in der Konsole. Dies minimiert Unterbrechungen, gewährleistet einen kontinuierlichen Arbeitsablauf für die Operateur:innen und verringert die Abhängigkeit vom OP-Team bei Änderungen.

Diese Weiterentwicklungen können Krankenhäuser dabei unterstützen, die am Queen Alexandra Hospital bereits erzielten Effizienzgewinne noch weiter auszubauen. Sie erhöhen die Flexibilität in der Personalplanung und unterstützen Geschäftsführungen dabei, den Zugang zu minimalinvasiven Eingriffen auszubauen, selbst bei Personalengpässen.

Darüber hinaus stärkt da Vinci 5 die Trainingsmöglichkeiten: Weniger Unterbrechungen im Workflow und mehr Autonomie an der Konsole ermöglichen es erfahrenen Operateur:innen, mehr Zeit für Mentoring aufzuwenden und so die nachhaltige Aus- und Weiterbildung der nächsten Generation an Fachkräften zu sichern.

Das Arbeiten an der Dualkonsole mit da Vinci 5 lässt sich mit einem Fahrschulfahrzeug mit Doppelbedienung vergleichen: Die lernende Person wird umfassend unterstützt, und das Risiko von Fehlern wird reduziert. Das Team von Prof. Khan hat Daten veröffentlicht, die die Sicherheit sowie die langfristigen onkologischen Ergebnisse eines modularen Trainingskonzepts bei Rektumkarzinomen unter Anwendung dieses Ansatzes belegen.1

Die Autonomie der Operateur:innen bei der Steuerung von intraoperativen Druck- und Energieeinstellungen ist von großem Wert, um zusätzliche Effizienzpotenziale in den OP-Abläufen zu realisieren. Erste Erfahrungen aus den USA mit dem da Vinci 5 System zeigen, dass die Verfügbarkeit von Force Feedback² in der roboter-assistierten Chirurgie es Lernenden ermöglicht, haptisches Feedback wahrzunehmen und das Risiko von Gewebeschäden und Verletzungen während der Lernphase zu reduzieren. Diese Effizienzgewinne können zu kürzeren Eingriffszeiten führen – ein wesentlicher Vorteil des da Vinci 5 Systems. Insbesondere bei komplexen Eingriffen an vollen OP-Tagen kann dies dazu führen, dass am Ende des Tages ein zusätzlicher Eingriff durchgeführt oder kostenintensives Überziehen der OP-Zeit vermieden wird.


Umfassende Auswirkungen für Krankenhäuser


Die Erfahrungen am Queen Alexandra Hospital im Vereinigten Königreich zeigen, dass die da Vinci Plattform mehr ist als ein reines Operationssystem – es handelt sich vielmehr um ein strategisches Instrument zur Stärkung der personellen Resilienz und der Effizienz von OP-Abläufen.

Krankenhäuser stehen zunehmend vor der Herausforderung, die Anzahl an Eingriffen aufrechtzuerhalten, die Versorgungsqualität zu sichern und zugleich in Aus- und Weiterbildung zu investieren – und das unter komplexen personellen Rahmenbedingungen. Technologien wie da Vinci 5 können diese Prioritäten unterstützen, indem sie neue Möglichkeiten zur Optimierung von Arbeitsabläufen eröffnen und die chirurgische Aus- und Weiterbildung innerhalb bestehender Teams stärken.

Für Entscheidungsträger im Krankenhaus ist die Einführung daher mehr als eine Entscheidung über Technologie. Sie ist Teil einer umfassenden Strategie zur nachhaltigen Stärkung chirurgischer Programme und zur langfristigen Unterstützung der Belegschaft.

  1. Stefan, Samuel M.D.1; Piozzi, Guglielmo Niccolò M.D.1; Tejedor, Patricia M.D., Ph.D.1; Liao, Christopher C.L. M.D.2; Ahmad, Anwar M.D.3; Ahmad, Nasir Z. M.D.4; Naqvi, Syed A.H. M.D.1; Heald, Richard J. CBE, M.Chir., F.R.C.S., F.A.C.S., F.R.C.S.I.5; Khan, Jim S. M.D., Ph.D.1,6. The Impact of a Modular Robotic Total Mesorectal Excision Training Program on Perioperative and Oncological Outcomes in Robotic Rectal Cancer Surgery. Diseases of the Colon & Rectum 67(11):S. 1485–1494, November 2024. DOI: 10.1097/DCR.0000000000003370
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